Das Digitale Zeitalter 3

Autor: André Grötschel

Enzyklopädie im Jahr 2008 - Die Wikipedia

Im ersten Kapitel wurden Themen wie Informationsknappheit, Technologischer Fortschritt und wenig Freizeit angesprochen. Wikipedia, das all umfassende Lexikon, ist neben Google und Yahoo eine weitere Informationsbeschaffungswebseite. Viele Menschen lesen oder verfassen dort Artikel. An die Schattenseiten einer allumfassenden Datenbank denken die wenigsten Menschen. Oder ist Wikipedia das Allheilmittel gegen Informationsknappheit und schnellen Recherchen? Im Jahre 2001 wurde Wikipedia eröffnet, die Grundidee war jedoch schon vorher bekannt. Rick Gates legte am 22. Oktober 1993 im Usenet (Unix User Network, elektronisches Netzwerk, das aus Newsgroups besteht) den Grundstein einer kooperativen Enzyklopädie, wobei anzumerken ist, dass der ursprüngliche Begriff Enzyklopädie von den Hippias von Elis im 5. Jh. v. Chr. für universale Bildung geprägt wurde. Diese Idee wurde mit dem Namen Interpedia diskutiert, das Projekt kam jedoch nie aus der Planungsphase heraus.

Anfangs war Wikipedia noch unter dem Namen Nupedia ein Projekt, das von Jimmy Wales und Larry Sanger 2000 erschaffen wurde. Ende 2000 haben beide von dem Wiki-Prinzip erfahren und erstellten in Nupedia ein Wiki, welches am 15. Januar 2001 unter wikipedia.com erreichbar wurde.

Eigentlich sollte Wikipedia nur für die gemeinsame Erstellung von Artikeln genutzt werden, um diese dann in Nupedia einzufügen. Da 2002 die spanischen Wikipedia Gemeinde sich abgespalten hatte und Jimmy Wales weitere Spaltungen vermeiden wollte, entschloss er sich auf die Umbenennung der Domain wikipedia.com auf wikipedia.org. Die oberster Ebene Domain .org steht eigentlich für nicht-kommerzielle Organisationen, wird in der heutigen Zeit aber auch anders genutzt. Weiterhin gründete er am 20. Juni 2003 die Wikimedia Foundation und übergab die Rechte und Daten.

Mit weit über 3.700.000 Artikeln, wovon 1.000.000 in Englisch und 380.000 in Deutsch gehalten sind, ist die Wikipedia nun zu den großen Wissensbeständen der Menschen aufgestiegen. Ungefähr 200 Sprachen lagern in ihrer Datenbank, davon sind ca. 100 aktiv. Diese Zahlen sagen aber nicht alles aus; sogar Zeitungen, Verlage oder ähnliches holen ihre (Erst-)Informationen aus der Wikipedia.

Die größten Kritikpunkte sind zurzeit die Urheberrechts- und andere Rechtsverletzungen. Auch die immer wieder aufkommenden Diskussionen über die Qualität der Texte schwächt das Ansehen der Wikipedia. Doch dadurch wurde das Wachstum nicht aufgehalten, denn es sind in der Vergangenheit immer wieder neue Schwester-Projekte aus dem Boden gestampft worden. Darunter litt natürlich die Organisation dieser Projekte, da die Wikimedia Foundation gerade mal zwei Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft für Betrieb und Verwaltung für die Wikipedia einstellte. Das wurde erst im ersten Quartal 2006 geändert, als vier neue Vollzeit-Stellen eingesetzt wurden. Der wohl wichtigste Posten ist der eines “Donor Relations Managers”, der dem enorm gestiegenen Finanzbedarf organisiert. Allein im ersten Quartal 2006 stand die Anschaffung von 110 Servern auf dem Plan, die sich aus den privaten Spenden finanziert haben. Würden keine Gelder von Spenden oder ähnliches hereinkommen, wären alle Aktivitäten ganz schnell beendet. Doch sei hier angemerkt, dass es inzwischen viele Firmen gibt die immer wieder etwas Kleingeld dort hinein werfen, zum Beispiel Yahoo mit ihren Servern.

Ein weiterer Punkt ist das fehlen von Fachleuten, die Artikel schreiben. Deutsche Wissenschaftler schaffen lieber ein eigenes Projekt – das so genannte Wikinger Projekt soll zur virtuellen Wissensvernetzung den klassischen Wissensaustausch ergänzen. Hierbei möchten sie Orts unabhängig in Wissensbasen recherchieren und kollaborativ über das Internet neues Wissen generieren. Somit bleibt das neu erschaffene Wissen erstmal bei den Wissenschaftlern und den Lesern von fachspezifischen Zeitschriften. Nicht nur das fehlen von Wissenschaftlichen Beträgen verursacht Wissenslücken. In China wird beispielsweise die Wikipedia wieder blockiert. Aber auch in anderen Ländern wird die freie Wissens-Anlaufstelle nicht frei zugänglich sein. Doch ob die Wikipedia sich politisch einmischt, bleibt erstmal offen.

Ein weiterer Störfaktor können die so genannten Link Kriege sein, wo sich zwei oder mehr Parteien bekriegen um ihre Seite in einem Artikel zu verlinken. Zur Vorbeugung solcher Auseinandersetzungen wurden dann Regeln geschaffen, die genau besagen welche Seiten nur noch aufgeführt werden sollen. Dabei werden zum Beispiel die riesigen Datenbestände von Internet Foren ausgesperrt, mit der Begründung: „Für nicht technisch versierte Personen oder Foren-Besucher sei das dort angebotene Wissen zu schwer zu finden.. Wäre hier nicht Wikipedia gefragt, eine Erleichterung der Suche zu ermöglichen, bzw. den Foren-Betreibern Hinweise und Ratschläge zur besseren Strukturierung des Inhaltes zu geben? Der Name des deutschen Vereins „Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens hätte sonst ihren Namen nicht verdient.

Gerade die Zentralisierung des Wissens könnte in Zukunft zu Problemen führen. So sei angemerkt, dass früher auch nur Bibliotheken das gesamte Wissen lagerten. Das meist von der Kirche und den Königen angeschaut werden durfte. Hier stellt sich die Frage, was passieren würde, wenn die Wikipedia ihre Türen schließt. Dann sind die Klone gefragt, die dieses Wissen verteilen und derzeit nur ein Schattendasein leben. Aufgrund der Tatsache, dass es sehr viele Klone oder Kopien gibt, sind diese Artikel noch stärkeren Schwankungen der Qualität unterlegen.

Durch die Einführung von stabilen Artikeln versucht die Wikipedia-Gemeinde die Qualität zu sichern, wobei dann die schnellen Änderungen eines Artikels nicht mehr möglich sind, sondern erst in unbestimmter Zukunft veröffentlicht werden. Es würde jedoch die Verlinkungskriege und den Vandalismus der Artikel etwas unterdrücken oder einfach in den Entwicklerbereich verschieben.

Die technische Ausstattung sowie die möglichen Zusatzleistungen werden sich noch stark erweitern, und vor allem die Bedienung wird einfacher werden. So soll die Software MediaWiki einen eigenen Online Editor benutzen, der vielleicht die ganzen internen Befehle verschleiern wird. Somit wird dann die Wikipedia auch Anforderungen im Bezug auf Browser stellen.

Wissens hungrige werden wohl weiterhin auch außerhalb von Wikipedia lesen müssen, gerade wenn es um Forschungsergebnisse oder aktuelle Informationen geht, nichtsdestotrotz wird Wikipedia in naher Zukunft wohl die Anlaufstelle Nummer 1 sein.